Zukunft wird nicht geschenkt, sondern gestaltet

Die Leute damals, in grauer Vorzeit, oder auch schon in der vorindustriellen Zeit – mein Gott, was waren die damals noch dumm. Abergläubisch, und die breiten Teile der Bevölkerung ungebildet und einfältig … denken leider viele heute. Bücher waren damals kostbar, und standen den breiten Massen nicht zur Verfügung. Was hätten sie diesen auch genutzt, lesen konnten eh nur wenige. Aber waren die Leute damals deswegen dumm?

Wir speichern unser Wissen heute auf elektronischen Datenträgern, mögen es bequem – am besten noch wenn uns jemand dieses Wissen mit angenehmer Stimme vorliest. Sind wir wirklich klüger als unsere Vorfahren? Ich meine, was wird sein wenn irgendwann der Strom ausfällt, oder einige EMP Stöße die Architektur unserer EDV unbrauchbar machen? Was wenn die Festplatten crashen und unser gesammeltes, digitales Wissen im Eimer ist?

Bitte, versteht mich nicht falsch. Ich mag digitales Wissen. Es ist schnell und fast überall vorhanden. Und man muss mittlerweile nicht einmal mehr ein Genie sein um darauf zugreifen zu können. Was auch Nachteile hat …

Wir lernen nicht mehr auswendig. Warum auch? Wie gesagt, es ist ja jederzeit und fast überall da. Alles was man braucht ist eine Sim-Karte und ein mobiles Endgerät. Suchanfrage starten, und zu jedem Thema finden sich Antworten. Schöne neue Welt. Aber wie gesagt, was wenn es mal „Bumm“ macht?

Die babylonischen Keilschriften zählen zu den ältesten Erben der Menschheitsgeschichte, wenn es darum geht Wissen und Nachrichten in Schriftform festzuhalten. Sie haben drei Jahrtausende überdauert und wir sind heute in der Lage das alte Wissen, zumindest den Teil den wir wieder entdeckt haben, zu lesen. Einen Einblick in den Alltag dieser fernen Zeit zu nehmen.

Ja, mag sein dass die Menschen früher die Dinge anders sahen, aber deswegen waren sie nicht blöder als wir. Sie bauten nur auf einem anderem Wissensstand auf. Und wenn ich mir heute die Sicherheit unseres gespeicherten Wissens betrachte, dann stelle ich mir manchmal schon die Frage was würden wir heute von jenen alten Kulturen wissen, wenn diese ihrerseits damals schon ihre Informationen auf elektronischen Datenträgern gespeichert hätten?

Wären dann vielleicht wir die Dummen, die wie der Ochs vorm Berge stünden, einfach weil wir vergessen hätten welche Algorithmen, welche physikalischen Vorgänge und welche Techniken dafür gebraucht werden, um auf die gespeicherten Daten zugreifen zu können? Vielleicht würden wir ja auch bei überlieferten Operationswegen nicht auf die richtigen Schlüsse kommen, weil wir eventuell ein ganz anderes Zahlensystem nutzen würden. Hexadezimal statt des normalen dezimalen Systems.

Man muss sich einfach nur einmal vorstellen dass unser System scheitern würde. Ein großer Krieg, und wir würden uns in die Steinzeit zurück bomben. Technisch sind wir bedauerlicherweise in der Lage dazu.

Die nächsten Generationen wären mit Überleben beschäftigt. Kultur und Bildung? Wichtig wird sein wo man sauberes Trinkwasser herbekommt und Nahrung die einen nicht umbringt. Unsere Kinder und deren Kinder würden diese Basics lernen, und die Gesellschaft würde nach und nach in einen primitiveren, aber funktionsfähigen Zustand gelangen. Einige religiöse Typen würden dem Bösen „Feind“ alles in die Schuhe schieben, und somit die Grundlage für ein neues spirituelles System schaffen und ohne Wissen? Naja, die Leute würden die Erklärungen annehmen.
Aber keine Bange. Die Menschheit würde nicht primitiv bleiben. Nach und nach würden sich die Dinge normalisieren, und man würde auf Ideen kommen wie man den Alltag leichter gestalten könnte. Es werden neue Ideen zum Ackerbau und Viehzucht geschmiedet, Einzelne werden Entdeckungen machen und es wird eine neue Wissenschaft entstehen.

Und irgendwann wird sich der Mensch fragen woher er kommt. Wie es früher war. Man wird den alten Legenden nachjagen, Ausgrabungen machen und Fragen stellen. Naja, es ist ja bekannt…

Was wird dann von unserer Gegenwart an Zeugnissen vorhanden sein? In Plastik eingeschweißte Kinoplakate von den Avengers? Werden unsere Nachfahren dann denken wir hätten an bunte Götter aus einem „Marvel“ genannten Universum geglaubt, die Strahlen aus ihren Händen schießen konnten, und die Wunder vollbrachten?

Von unseren metallenen Hinweisschildern wird nicht sehr viel bleiben. Entweder sie werden korodieren, oder die Farbe der heute so wichtigen Hinweise wird abblättern. Unsere Bücher? Vielleicht wird man ein paar Fetzen Papier wiederfinden. Haben wir Botschaften in Stein hinterlassen? Naja, bis auf Grabsteine und steinerne Figuren nicht sehr viel. Und das meiste Wissen, welches digital vorliegt, liegt in Blechkästen und auf Plastikscheiben mit welchen unsere Nachfahren vermutlich nicht all zu viel anzufangen wissen. Es würde ein ziemliches Zerbild von uns entstehen: Ritter auf Pferden, Grabsteine, Statuen „großer Führer“, seltsame Gebilde, aber kaum etwas was genau UNS wiederspiegeln würde.

Tja, wenn man es zusammenzieht, dann würde in einem solchen Fall nicht sehr viel von uns als Erbe unserer Kultur und unseres Wissensstandes übrig bleiben. Was angesichts unserer selbstzerstörerischen Art vielleicht auch besser für eine Nachwelt sein könnte. So fehlt zumindest die Inspiration für weitere Selbstvernichtung.

Falls diese Menschen nicht von selbst darauf kommen würden…

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Wir leben in einem System in dem man entweder Rad sein muss, oder unter die Räder gerät…

— Friedrich Nitzsche
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