Silentwoods Mystery-Blog

Zugang zur Welt der Mysterien und Geheimnise

Tag: Nachtwind

Der Alte

Vor langer Zeit, in welcher die alten Legenden noch lebendig waren, lebte in einer heute unbekannten und vergessenen Stadt ein alter Mann. Er war einsam und hatte niemandem mit dem er Reden konnte, dem er seine Sorgen oder Wünsche anvertrauen wollte. Die Jugend hatte andere Dinge im Kopf, verlangte danach eigene Fehler zu machen und Erfahrungen zu sammeln. Seine Söhne waren fort, in die Welt gezogen auf der Suche nach Ruhm, Reichtum und Liebe. Der Alte war alleine, und so saß er jeden Abend auf dem Dach seines kleinen Hauses, schaute Tagsüber in die Bereiche der Stadt, welche er von dort einsehen konnte, und blickte Abends in den Sternübersäten Himmel, gefangen in sentimentaler Erinnerung: Honigsüß und bitter zugleich, denn was ist die süßeste Erinnerung wert, wenn man sie mit niemandem teilen kann? Schätze mögen Macht verleihen, aber auch nur dann, wenn es andere gibt die den Wert eines Schatzes zu würdigen wissen. So ist es auch mit den Erfahrungen eines Lebens… weiterlesen… »

Die Hexe

Jedes Geräusch das durch die kalten und feuchten Gewölbe klang, lies sie erneut zittern. Geräusche bedeuteten in dieser Welt der Schatten und Schreien kommenden Schmerz und Verzweiflung. Sie wälzte sich, von Furcht und Kälte erfüllt auf ihrem Lager aus nassem Stroh zur Wand hin. Es war kalt im Winter des Jahres 1463, aber die Kälte alleine war nicht das schlimmste. Viel schlimmer waren die Demütigungen und die Folter die sie ertragen musste. Es war vier Tage her als die Männer mit den Waffen und die Priester die Türe zu ihrer kleinen Hütte im Wald aufgebrochen und sie unter Schlägen und Tritten nach draußen befördert hatten. Es war einer der ruhigen, besinnlichen Momente – sie saß auf ihren ungeschlachten Möbeln und lauschte dem Wispern des Windes. Hörte zu wie er durch die Bäume brach und um ihre Hütte spielte als sie sie holen kamen. Sie war hilflos als sie ihr Haus anzündeten und sie war immer noch hilflos als sie sie gefesselt vor den hohen Mann brachten. Nun lag sie hier, auf einer dünnen und dreckigen Strohschicht, gedemütigt und gefoltert – ohne Hoffnungen… weiterlesen… »

Winter 1916

Als er aufwachte war es ruhig um ihn herum. Leichter Nebel trieb über die triste Landschaft und er drehte sich auf den Bauch. Sein Fuß hatte sich im Stacheldraht verfangen. Er hatte es nicht bis zum Graben geschafft und irgendetwas hartes hatte ihn am Rücken getroffen. Ihm war kalt, schrecklich kalt und er zog den schmutzigen und zerrissenen Mantel enger um seine Schultern. Er dachte an die Landschaft, wie sie noch vor zwei Jahren aussah; blühende Felder und Bäume, ein Himmel der einen guten Morgen versprach und heute? Ein Niemandsland aus Schlamm und Gräben von allen Seiten umkämpft und mit dem Blut jener durchtränkt die fernab dieser Grausamkeiten als Helden verehrt wurden. Es war pervers, ein Schlachten an einem gigantischem Fließband des Todes dem Tag für Tag neue Gesichter und Schicksale zugeführt wurden. Eine Ehre ist’s für das Vaterland zu sterben, aber hier hatte er keine Ehre finden können… weiterlesen… »

Gegenwartswinter

Er saß auf dem alten abgewetzten Sessel auf welchem er schon saß als seine Frau noch lebte. Der Fernseher auf den er starte war wie er selbst, nicht mehr der Jüngste. Gelegentlich erinnerte er sich an die besseren Zeiten, als sein Rücken noch stark war und seine Beine ihn sicherer durch die Welt trugen. Ja, das waren schöne Zeiten als er mit seinen Söhnen und seiner Frau über die Weihnachtsmärkte streifen und er hin und wieder einen Glühwein trinken konnte. Heute saß er meistens in seinem Sessel, hörte Radio oder schaute den Fernsehsendungen zu, welche ihn mit ihrer neuartigen und lauten Aggression Angst vor dieser neuen Welt da draußen machten. Im Alter war der ehemalige Charmeur zu einem ruhigen, traurigen Mann verkommen der mit seiner Einsamkeit und seinen Erinnerungen zu kämpfen hatte. weiterlesen… »

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